Exponat des Monats

April 2026

Deckeln und der Jagdschein

Das Deckeln und die Ausstellung des Jagdscheines ist ein alter Brauch, der heute nur noch selten im Sauerland zu finden ist. Die jungen Männer eines Dorfes wachten mit Argusaugen über die jungen Mädchen. Sie sahen es nicht gerne, dass Männer aus den benachbarten Orten sich Mädchen aus dem Dorf nahmen, die vermeintlich ihnen zugestanden hätten.

Ging ein junges Mädchen einige Zeit fest mit einem auswärtigen jungen Mann, wurde es Zeit, den  „Jagdschein“ auszustellen und zu deckeln. Die jungen Burschen mussten dabei natürlich ganz sicher sein, dass der angehende Bräutigam im Haus bei der zukünftigen Braut war.

Nachdem man sich versichert hatte, dass der „Frigger“ im Haus war wurde „gedeckelt“.  Hierzu wurden geeignete Geräte zum Krachschlagen z.B. Blechplatten oder Kochtopfdeckel verwendet und auf den Fingern gepfiffen. Nach Zahlung des verlangten Lösegeldes wurde der „Jagdschein“ übergeben.

Der fremde „Frigger“ wurde beim „Deckeln“ zur Kasse gebeten. Die Höhe des Lösegeldes richtete sich entweder nach dem von den Jungen des Dorfes geschätzten Gewicht der jungen Frau, oder man vereinbarte einen „Festpreis“. Dieses Geld floss in die „Deckelkasse“, deren Inhalt bei einer Deckelfete in Bier umgesetzt wurde.

Um den Jagdschein richtig verstehen zu können, muss man wissen, dass mit dem „Wild“ die junge Frau gemeint ist.

Bei der Übergabe des Jagdscheins gab es verschiedene Rituale. Beispielsweise gab es in manchen Dörfern den Brauch, den Jagdschein komplett vorzulesen und bei jedem Satzzeichen eine „Trinkpause“ einzulegen.

Bei diesem Exponat aus den 1960er Jahren handelt es sich um eine Schenkung an das Museum der Stadt Lennestadt, die 2011 übergeben wurde.

Dieser Jagdschein stammt aus dem „Revier“ Fleckenberg im Hochsauerlandkreis.

Text: Manfred Graf             Foto: Museum der Stadt Lennestadt