Exponat des Monats

Februar 2015


Bettstein, ca. 100 Jahre alt

Gibt es Schöneres, als nach einem lausig kalten Winterabend in ein muckelig warmes Bett zu steigen? Man zieht sich die flauschige Bettdecke bis zum Hals und entschlummert in Morpheus´ Armen. – Warme Zimmer? – In heutiger Zeit mit Zentralheizung kein Problem!

Früher war das anders: Oft gefror die natürliche Raumfeuchtigkeit an den Fensterscheiben zu „Eisblumen“, denn die Schlafzimmer waren in den Wintern normalerweise nicht geheizt. Etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen wärmte man deshalb die Betten vor. Am einfachsten ging das mit einem Stein, der zuvor auf der Herdplatte oder im Backofen erhitzt worden war.

Foto: Museum der Stadt Lennestadt ©

Die Verwendung von Bettsteinen ist die weitaus älteste Methode, ein Nachtlager zu wärmen. Wenn Steine erhitzt werden, können sie die aufgestaute Wärme lange speichern und geben sie anschließend sehr langsam wieder ab. Es ist gut vorstellbar, dass selbst die ältesten Stämme und Völker in unseren Klimazonen bereits diese Erfahrungen machen konnten und sogar die Menschen der Steinzeit mit erhitzten Steinen aus dem Bereich der Lagerfeuer ihre Schlafstätten wärmten.

Einen Bettstein, der etwa um 1920 in einem bürgerlichen Haushalt in Gebrauch war, hat das Museum der Stadt Lennestadt als Exponat des Monats Februar ausgewählt. Er stammt aus dem Fundus des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück.

Der Wärmestein besteht aus einer 6 cm dicken ovalen Scheibe. In der Längsachse misst sie etwa 28 cm, in der Querachse 21 cm. Zum Transport des Steines dient ein stabiler metallener Ring, der im Mittelpunkt der beiden Achsen angebracht ist. Der Stein wurde wohl mit Hilfe von Schamotte oder Zement in einer Form gegossen. Die ovale Oberfläche und der Seitenrand sind geschliffen und poliert und haben eine marmorartige Struktur. Die untere Fläche ist etwas rauer, wohl um ein Verrutschen unter der Bettdecke zu verhindern.

Aus der Art des Bettsteines konnte man häufig auf den sozialen Status des Besitzers schließen: Arme Leute begnügten sich mit einem Ziegelstein oder einem Flussstein, der nach dem Erhitzen in ein Tuch oder Fell eingeschlagen wurde; manchmal benutzte man auch eine sandgefüllte Wasserflasche aus Ton. Wohlhabende Leute hingegen leisteten sich ab dem 16. Jahrhundert fein geschliffene Bettsteine aus Serpentin, einem wertvollen Mineral, das auch heute noch im Raum Zöplitz / Sachsen abgebaut wird.

Zum Aufwärmen des Bettes gibt es längst modernere Möglichkeiten, z.B. elektrische Heizkissen und -decken. Doch auch die mit heißem Wasser gefüllten Wärmflaschen – früher aus Blech, heute aus Gummi – sind als probate Mittel gegen kalte Füße noch nicht passé.

Zu sehen ist der hier vorgestellte fast 100 Jahre alte Bettstein im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 01. Februar 2015, von 14 -17 Uhr.

An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 – 12 und 14 – 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt im Alten Amtshaus ist frei.