November 2016

Vor 65 Jahren, am 04. November 1951, wurde der große Sohn des Ortes Förde-Grevenbrück, Professor Dr. Albert Boerger, mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Grevenbrück geehrt. Aus Anlass dieses Ereignisses präsentiert das Museum der Stadt Lennestadt ein Replikat des Ehrenbürgerbriefes als Exponat des Monats November. Gleichzeitig ist der 04. November dieses Jahres auch die 135. Wiederkehr des Geburtstages von Prof. Dr. Boerger.

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Das Original des Ehrenbürgerbriefes hängt heute in einem kleinen, Albert Boerger gewidmeten Museum in seinem ehemaligen Wohnhaus auf dem Versuchsgut „La Estanzuela“/Uruguay. Über die Deutsche Botschaft in Uruguay hat der Lennestädter Stadtarchivar Jürgen Kalitzki nach langen Bemühungen kürzlich ein Digitalisat des kompletten Ehrenbürgerbriefes, bestehend aus acht Seiten, erhalten. Daneben liegt dem Stadtarchiv Lennestadt auch das Originalprotokoll der Gemeinderatssitzung vom 30. Oktober 1951 vor.

In dem Text des kunstvoll gestalteten Ehrenbürgerbriefes heißt es: „Die Gemeinde Grevenbrück verleiht ihrem großen Sohne Prof. Dr. Albert Boerger in Würdigung seiner erfolgreichen Forschungsarbeiten das Ehrenbürgerrecht. Grevenbrück, den 4. November 1951. Im Auftrage des Gemeinderates: Bürgermeister Quinke, Gemeindevertreter Sommer (hier sind die jeweiligen Unterschriften angebracht).

In einer Allonge des Ehrenbürgerbriefes ist auch das Protokoll der Gemeinderatssitzung wiedergegeben. Dieses Protokoll gibt die Gründe an, warum die Gemeinde Grevenbrück Prof. Dr. Boerger diese Ehrung anlässlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres am 4. November 1951 zukommen lässt. So führt der Bürgermeister unter anderem folgendes an: „Es ist Professor Dr. Albert Boerger, der große Kämpfer gegen Hunger und Not, der durch seine bahnbrechenden Forschungen die Welternährungslage wesentlich beeinflusst hat.“

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Albert Boerger wurde am 4. November 1881 in Förde (Grevenbrück) geboren. Er besuchte zunächst die Rektoratsschule in seinem Heimatort und anschließend das Gymnasium in Attendorn. Nach seinem Abitur 1902 ging Albert Boerger an die technische Hochschule nach Hannover. Familiäre Gründe zwangen ihn zur Unterbrechung seines Studiums, um sich ganz dem väterlichen landwirtschaftlichen Anwesens zu widmen. Während dieser Zeit beschäftigte er sich auch mit landwirtschaftlicher Fachliteratur und der Theorie der Landwirtschaft. Nach drei Jahren nahm Boerger dann in Bonn seine akademische Laufbahn wieder auf. Nachdem er umfangreiche Untersuchungen im Ausland durchgeführt hatte, promovierte er 1912 zum Dr. phil.,. Sein Spezialgebiet wurde die Züchtung neuer und die Veredelung alter Saaten. Im Jahr 1912 kam die bedeutsamste Wendung seines Lebens: Der südamerikanische Agrarstaat Uruguay suchte einen erfahrenen Fachmann für die staatliche Saatzuchtanstalt „La Estanzuela“ an der Mündung des Rio de La Plata. Nach zwei Jahren wurde das ganze Staatsgut mit allen Einrichtungen Albert Boerger als Direktor unterstellt. Seine Forschungsstätte erlangte weltweiten Ruhm. So gelang es ihm, den Weizenertrag des Landes um ein Mehrfaches zu steigern. Die Züchtung neuer Arten von Mais, Sojabohnen, Sonnenblumen und Futterpflanzen waren sein Verdienst. Der La-Plata-Weizen wurde von ihm zu einer Weltmarke gemacht. Durch viele wissenschaftliche Abhandlungen und zahllose Vorträge im In- und Ausland gab er sein Wissen an seine Mitwelt weiter.

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Dr. Albert Boerger heiratete am 12. März 1929 in Montevideo Frau Maria Elisa Bülle (geb.1876), die Tochter des mexikanischen Generalkonsuls Adolfo Bülle, deutscher Abstammung. Seine weltgewandte Frau war vertraut mit den südamerikanischen Verhältnissen und ihm daher stets eine wertvolle Hilfe.

Im Protokoll der Gemeinderatssitzung, das dem Ehrenbürgerbrief beigefügt ist, werden auch einige der zahllosen Ehrungen genannt, die Prof. Dr. Albert Boerger im Laufe seines Lebens zuteil kamen: im Jahre 1925 erhielt er die Goldmedaille der Argentinischen Landwirtschaftsgesellschaft. 1938 erfolgte seine Ernennung zum Ehrenprofessor der Universität Porto Alegre (Brasilien) und 1947 zum Ehrenprofessor der Landwirtschaftlichen Hochschule in Pelatos (Brasilien). Im Jahr 1946 wurde Dr. Boerger von den Universitäten Montevideo und Buenos Aires die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Bei einem Besuch in Deutschland 1954 fand eine Ehrung durch die Bundesregierung mit der Verleihung des Großkreuzes des Deutschen Verdienstordens statt; die Universität Bonn verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Darüber hinaus ehrte ihn auch der Papst mit dem Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“.

Albert Boerger sagte 1952 in einem Dankwort an die „Heimatstimmen“ (9.Folge/1952) aufgrund der Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag, dass der Erfolg seiner Lebensarbeit nun in der „Form von Ehrungen wieder auf die alte Heimat zurückstrahlt“, weil eben in der Heimatverbundenheit „die Wurzeln meiner Kraft liegen.“

Am 28. März 1957 verstarb Prof. Dr. Albert Boerger an seinem Arbeitsplatz in La Estanzuela im 76. Lebensjahr nach einem reich erfüllten Leben. Auf dem Friedhof in Colonia hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Seine Verdienste um den Staat Uruguay anerkannte das Parlament mit einer Sondersitzung.

Das Replikat des Ehrenbürgerbriefes ist im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, den 06. November 2016, von 14 -17 Uhr, zu sehen. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt in das Museum ist frei.

Text: Walter Stupperich
Fotos:
Bild 1: Ehrenbürgerbrief an Prof. Boerger v. 4- November 1951 (Museum der Stadt Lennestadt)
Bild 2: Aquarell von Reinhold Bicher als Vorlage für ein Glasfenster aus dem ehem. Gasthof Boerger in Grevenbrück (Museum der Stadt Lennestadt)
Bild 3: Ein Foto aus dem Jahre 1937: Der russische Botaniker und Genetiker Nikolai Ivanovic Vavilov besucht Albert Boerger auf seiner Forschungsanstalt „La Estanzuela, Uruguay.“ (Quelle: CIAAB/Wikimedia)