Januar 2012

Schulwandbild „Die Geburt Christi“ von 1883

Die letzte Woche des alten Jahres und die ersten Wochen des neuen Jahres sind noch geprägt vom Weihnachtsfest. Das Museum der Stadt Lennestadt hat deshalb ein entsprechendes Exponat für den Monat Januar ausgewählt. Es handelt sich dabei um zwei Schulwandbilder aus dem fünfteiligen Zyklus „Die Geburt Christi“. Die zwei vorhandenen Original-Schulwandbilder stammen aus dem Jahr 1883. Sie stehen unter den Titeln „Den Hirten wird die Geburt Christi verkündet“ und „Die Flucht nach Ägypten“. Diese alten Schulwandbilder, die eine Größe von 55 x 66 cm aufweisen, sind eine Leihgabe von Frau Rita Breuer aus Wenden-Vahlberg.


(Foto: Jürgen Kalitzki)

Als Schulwandbilder bezeichnet man großformatige, zu Unterrichtszwecken im Klassenraum aufzuhängende Bilder, die mit eindrücklichen und anschaulichen Darstellungen Lerninhalte verschiedenster Themenbereiche vermitteln sollen. Während der Hauptblütezeit der Schulwandbilder im letzten Drittel des 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gehörten diese Medien zur Grund- und Pflichtausstattung aller öffentlichen Schulen. Seit ca. 1870 wurden Schulwandbilder auch im Religionsunterricht eingesetzt. Das Wandbild sollte das Bibelwort verdeutlichen, das Heilsgeschehen vergegenwärtigen und Anregung zur Meditation bieten.

Die zwei als „Exponat des Monats Januar“ ausgewählten Schulwandbilder druckte der Leipziger Verlag Georg Wigand nach Vorlagen von Julius Schnorr von Carolsfeld (1794 – 1872). Dieser Künstler war ein Maler der deutschen Romantik und wohl der bekannteste Maler der Nazarenischen Kunst. Als Nazarenische Kunst wird eine romantisch-religiöse Kunstrichtung bezeichnet, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts von deutschen Künstlern begründet wurde. Julius Schnorr von Carolsfeld schuf von 1851 – 1860 in einer Reihe von 240 Holzstichen eine umfangreiche Bibelillustration. Diese „Bilder zur Bibel“ entwickelten eine erstaunliche Wirkung, die weit über nationale und Konfessionsgrenzen hinausreichte und in Deutschland die Bibelfrömmigkeit von Generationen prägte. Die überwältigende Schönheit und Wahrheit seiner bildhaften Aussagen sind bis heute unübertroffen. Die von Julius Schnorr von Carolsfeld altmeisterlich filigran in Tuschelithographie gezeichneten Darstellungen zur biblischen Geschichte bilden eine beeindruckende Einheit von Personen und Landschaften. Seine auf Holz gezeichneten Bibeldarstellungen zeichnen sich insbesondere durch eine naturgetreue Wiedergabe der Wirklichkeit aus. Die Perspektive entspricht der, aus welcher ein Kind die Szene in natura miterlebt haben könnte. Es handelt sich dabei um ein Stilmittel, dem man bei nahezu allen Schulwandbildern begegnet. Das Kolorit dieser Wandbilder beschränkt sich auf verschiedene Blau- und Grautöne.

Das Schulwandbild büßte durch die zunehmende Verwendung technischer Verfahren wie die Projektion von Dia, Film, Folie oder Video sowie durch die Verwendung von gedruckten Bildmaterialien für die Hand des Schülers seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine zentrale Bedeutung im Unterricht ein. Schulwandbilder haben aber in den Bereichen überlebt, in denen eine längere Wirkung notwendig ist. Sie prägen sich nämlich dem Kinde stärker ein als das flüchtige Bild eines Filmes bzw. Videos.

Die zwei ausgestellten Original-Schulwandbilder „Den Hirten wird die Geburt Christi verkündet“ und „Die Flucht nach Ägypten“ sowie weitere drei Reproduktionen stammen aus der Serie von 24 Schulwandbildern von Julius Schnorr von Carolsfeld, die unter dem Titel „Das Leben unseres Heilandes“ erschienen sind. (Text: Walter Stupperich)

Diese Bilder, die den meisten Personen der älteren Generation aus dem Religionsunterricht noch bekannt sein dürften, sind zu sehen
im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 01. Januar 2012, von 14 -17 Uhr.
An Werktagen ist das Museum
dienstags von 9 -12 u. 14 -16 Uhr und donnerstags von 9 -12 u. 14 -18 Uhr geöffnet.

Zu sehen ist im Januar auch noch das im Dezember vorgestellte Exponat, eine historische Papierkrippe.
Der Eintritt ist frei.