Exponat des Monats Juli

Leclanché-Element
zum Betrieb einer Haustürklingel (vor 1900)

 

Während in den Industriestaaten derzeit die Stromerzeugung z.B. aus Sonnenenergie vorangetrieben wird, versuchte man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus chemisch gebundener Energie elektrischen Strom zu gewinnen. Ein Zeugnis dafür ist das „Leclanché-Element“, das vom Museum der Stadt Lennestadt zum „Exponat des Monats Juli“ ausgewählt wurde. Das seltene Stück erinnert in Größe und Form an jene altertümlichen Bonbongläser, aus denen noch um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in den dörflichen Tante-Emma-Läden den Kindern Himbeerdrops abgezählt wurden.


Foto: Museum der Stadt Lennestadt

Doch statt Bonbons enthielt das hier vorgestellte Glas früher eine ätzende Flüssigkeit: konzentrierte Ammoniumchloridlösung. Aus der Mitte des Glasdeckels ragt ein 18 mm dicker Graphitstift heraus, an dem noch ein Stückchen seidenumwickelte Drahtlitze angeklemmt ist. Dieser Kohlestift war der Pluspol (= Kathode) eines galvanischen Elementes, das lange vor der Elektrifizierung unserer Dörfer – ähnlich wie unsere heutigen „Trockenbatterien“ – zur Stromerzeugung diente, meist zum Betrieb einer Haustürklingel oder einer kleinen Glühlampe.

Als Minuspol (= Anode) befindet sich in dem „Bonbonglas“ ein zylindrisch gebogenes Zinkblech. Ein biegsamer Bleistreifen stellt durch eine Bohrung im Glasdeckel die Verbindung nach außen her. Beide Pole, Kohlestab und Zinkplatte, waren ursprünglich also von einer Salmiaklösung als Elektrolyten umschlossen. Beim Betrieb eines solchen Elementes entwickelt sich leicht hochexplosiver Wasserstoff. Deshalb ist der Kohlestab mit einer dicken Braunsteinschicht (Mangandioxid), der sog. Puppe, ummantelt, die den Wasserstoff gleichsam „aufsaugen“ und als Depolarisator chemisch binden kann.


„Puppe“ und Glasdeckel des Nasselementes

Im kürzlich abgerissenen Bauernhaus Börger im Ortskern von Elspe diente dieses Leclanché-„Nasselement“ offenbar bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zum Betrieb einer Türklingel. Mit der Elektrifizierung des Ortes im Jahre 1901 war das Element wohl abgeklemmt und überflüssig geworden, denn selbst ein inzwischen 96-jähriges Mitglied der Familie Börger kann sich nicht mehr an den Einsatz des Gerätes erinnern. Kein Wunder, dass man bei Börgers das Gefäß mit seinem gefährlichen flüssigen und ätzenden Inhalt von Anfang an in einem Bretterverschlag des Hauses aufbewahrte, um den Kindern den Zugriff zu erschweren.

Die Familie Heinz Börger hat das seltene Stück – zusammen mit der zugehörigen alten elektrischen Klingel – dem Grevenbrücker Heimat- und Verkehrsverein zur Deponierung im Museum übereignet. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist die Flüssigkeit im Glas längst verdunstet; zurückgeblieben ist kristallisiertes Ammoniumchlorid, das in dicker Schicht Zinkblech, Kohlestift und Braunsteinmantel überzieht. Vermutlich könnte man das Element leicht wieder funktionsfähig machen, wenn man das Gefäß einfach mit destilliertem Wasser auffüllen würde. Doch die Museumsfachleute in Münster raten ab, denn Museumsstücke sollen nach heutiger Auffassung in dem Zustand gehalten werden, in dem sie vorgefunden wurden.

Der Erfinder Leclanché hatte sein galvanisches Element im Jahre 1866 zum Patent angemeldet. Es entwickelte eine Spannung von 1,5 Volt. Hätte er damals ahnen können, dass man noch heute nach dem gleichen Prinzip massenhaft Zink-Kohle-Batterien herstellt? Im Unterschied zu früher sind es jedoch keine Nasszellen mehr. Der flüssige Elektrolyt wurde durch ein Gel ersetzt, der äußere Zinkbecher zusätzlich durch eine Pappschicht und durch einen abschließenden Stahlmantel gesichert. Dadurch können die Zellen heute nicht mehr so leicht auslaufen.

Das Leclanché-Element und die zugehörige alte Haustürklingel sind im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 01. Juli 2012, von 14 -17 Uhr zu besichtigen. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -18 Uhr geöffnet. – Der Eintritt ist frei.
(Text: Franz-Josef Schütte)