September 2014

„Feld-Ehrenzeichen“
des Ersten Weltkrieges
für August Fleper

Vor 100 Jahren war der 1. Weltkrieg im Monat September bereits seit vier Wochen voll entbrannt. Entscheidende Feldschlachten waren schon geschlagen. Die deutschen Truppen standen im Westen kurz vor Paris. Im Osten kämpfte General von Hindenburg gegen die russischen Armeen. Und mit diesen Schlachten trafen auch die ersten Meldungen über gefallene Soldaten hier in unserer heimischen Region ein.

Das Museum der Stadt Lennestadt geht in diesem Monat dem Schicksal eines Soldaten aus Oedingen nach, der auf zahlreichen Schlachtfeldern gestanden hat und trotzdem lebend wieder nach Hause gekommen ist. Als „Exponat des Monats September“ stellt das Museum ein „Gedenkblatt des Weltkrieges 1914 – 1918“ und weitere Dokumente des Kanoniers August Fleper aus Oedingen vor. Das Gedenkblatt weist die zahlreichen Kriegsschauplätze auf, an denen August Fleper kämpfte. Er bekam dieses Blatt sowie das entsprechende Besitzzeugnis ausgehändigt anlässlich der Anerkennung des Deutschen Feld-Ehrenzeichens.

Foto: © Museum der Stadt Lennestadt

Der Erste Weltkrieg gilt als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. In diesem Krieg fanden fast 10 Millionen Soldaten einen grausamen Tod, weitere 20 Millionen wurden verwundet und blieben fürs Leben an Körper oder Seele gezeichnet. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen Menschen geschätzt. Im Deutschen Reich leisteten im Kriegsverlauf 13,25 Millionen Mann Militärdienst, davon starben 2,0 Millionen. Russland hatte über 1,8 Millionen Gefallene zu beklagen, Österreich-Ungarn fast 1,5 Millionen und Frankreich über 1,3 Millionen.

Alle Armeen verlangten von ihren Offizieren und Mannschaften täglich den Einsatz ihres Lebens. Wie Geschütze und Munition wurden Soldaten als einzusetzendes Material betrachtet. Der Tod als ständiger Begleiter der Frontsoldaten wurde zum „Heldentod für das Vaterland“ verklärt.

Der „Kanonier August Fleper“ aus Oedingen (geb. 1893) gehörte dem „Feldartillerie-Regiment Nr. 27 Oranien“ an. Im Jahre 1915 nahm er an den verlustreichen Kämpfen um Warschau teil, anschließend beteiligte er sich an dem Vormarsch auf Riga. Das Regiment „Oranien“ wurde Ende 1915 an die deutsche Westfront verlegt. Hier durchlebte August Fleper die „Hölle von Verdun“. Bei dieser zehnmonatigen Schlacht um Verdun, der bisherigen größten Materialschlacht der Weltgeschichte, hatten Deutschland und Frankreich wohl jeweils über 100.000 Gefallene zu beklagen. Kaum ein Soldat, der vor Verdun eingesetzt wurde, überstand die Schlacht, ohne zumindest leicht verwundet worden zu sein.

In den beiden Kriegsjahren 1916 und 1917 war August Fleper dann an verschiedenen anderen Kriegsschauplätzen der Westfront eingesetzt. Er nahm an der großen Schlacht an der Somme teil. Drei Millionen Soldaten standen sich hier an einer vierzig Kilometer langen Front gegenüber. Es war die größte Schlacht des Ersten Weltkrieges in Bezug auf die Anzahl der involvierten Nationen und der enormen Anzahl an Opfern. Die Somme wurde zu einem Gebiet, in dem Menschen aus mehr als 20 Nationen aufeinandertrafen. Die rund fünf Monate andauernde Schlacht zählt zu den verlustreichsten Schlachten des 1. Weltkriegs. So verloren die Briten mehr als 400.000 Mann und die Franzosen 200.000 Soldaten. Auf deutscher Seite starben etwa 500.000 Mann.

August Fleper nahm noch an den verschiedenen Kämpfen zwischen Maas und Mosel teil. Wiederholt war er im Kriegsgebiet an der Aisne und in der Champagne. Er nahm auch an der großen Doppelschlacht Aisne-Champagne im April 1917 teil. Zehntausende von Toten auf beiden Seiten waren zu beklagen.

Ende 1917 wurde das Regiment, dem August Fleper angehörte, an die Ostfront verlegt. Hier nahm er teil an den schweren und verlustreichen Stellungskämpfen Njemen-Beresina-Krewo-Smorgon-Narotschsee und Tweretsch.

August Fleper wurde neben dem Deutschen Feld-Ehrenzeichen auch mit dem Eisernen Kreuz II.Klasse sowie dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet. Am 7.9.1917 erfolgte seine Entlassung aus dem Regiment und Abkommandierung zur Arbeitsaufnahme bei den Brandenburgischen Flugzeugwerken in Briest a.Havel. Nach Rückkehr aus dem Krieg ging August Fleper dem vor dem Krieg erlernten Handwerk des Schreiners wieder nach. Er starb am 19.11.1979 im Alter von 86 Jahren.

Der Erste Weltkrieg veränderte das Leben der Menschen, Gesellschaften und Staaten in Europa. Die gemeinsame Erinnerung an diesen kollektiven Albtraum, seine Ursachen und Auswirkungen, ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil des europäischen Integrationsprozesses.

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Zu sehen sind die historischen Dokumente des August Fleper aus Oedingen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 07. September 2014, von 14 bis 17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.

Text: Walter Stupperich