Februar 2016

 

Skier aus den 50er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts

Der Monat Februar ist Winterzeit, und diese Jahreszeit weckt bei uns Gedanken und Erinnerungen an Schlitten, Skier und Schlittschuhe. Das Museum der Stadt Lennestadt stellt aus diesem Grunde ein Paar Ski aus den 1950er-Jahren als „Exponat des Monats Februar“ vor. Sie sind eine Leihgabe von Herbert Wiebelhaus aus Grevenbrück.

Die Skier, die heute mit großer Begeisterung in der ganzen zivilisierten Welt als Wintersportgerät gebraucht werden, gehörten ursprünglich zu den wichtigsten Verkehrs- und Jagdmitteln des Menschen. Funde aus der jüngeren Zeit deuten darauf hin, dass diese Art der Fortbewegung bereits vor über zehntausend Jahren genutzt wurde. Bedeutende Exponate lassen sich unter anderem in Finnland, Schweden, Norwegen sowie in Russland verifizieren. Der berühmteste Skifund ist der mit einem Alter von 4500 Jahren datierte „Ski von Hoting“, er wurde in einem Moor in Schweden gefunden.

Gegen das Einsinken im Schnee half sich der Mensch zunächst durch Vergrößerung seiner Sohlen, wofür er sich Schneereifen unter die Fußbekleidung spannte. Aus diesem runden Schneereif entwickelte sich später der nordamerikanische Schneereif. Dieser war fischartig geformt, hatte vorn aufgebogene Holzrahmen, die durch zwei Querhölzer versteift und mit starker, besonders präparierter Tierhaut kunstvoll geflochten waren. Dieser geflochtene Schneereif eignete sich allerdings nur zum Gehen. Aus diesem Flechtwerk entwickelte sich später ein aus vollem Holz bestehender runder oder länglicher Trittling, der auch das Gleiten ermöglichte. Das Ende dieser Entwicklung war der Schneeschuh oder Ski. Skier erlaubten es nun, auch weitere Distanzen im Schnee zu überwinden. Aus dieser Möglichkeit entwickelte sich das Skifahren als sportliche Betätigung.

Die norwegische Landschaft Telemarken gilt gemeinhin als Ursprungsregion des Skifahrens als sportliche Betätigung. Erste Skiwettfahrten gab es in Norwegen Mitte des 18. Jahrhunderts. Die zunehmende Popularität des Skisports in Norwegen führte in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre dann auch in Mitteleuropa zu einem regelrechten Ski-Boom. Der alpine Skisport nahm in den 1920er Jahren in den Alpen einen ersten Aufschwung. Im Sauerland ist der Gebrauch von „Norwegischen Schneeschuhen (Ski)“ seit 1889 nachweisbar. Zu den ersten Skiläufern des Sauerlandes gehörten Förster und Waldaufseher. Ab den 1950er Jahren entwickelte sich der Skilauf zum Breitensport. Skipisten mit Liften und Seilbahnen wurden verstärkt erbaut, dazu Skihütten, Pensionen und Hotels.

Das vom Museum der Stadt Lennestadt jetzt präsentierte Skipaar stammt aus den 1950er Jahren, also aus jener Zeit, in welcher der Skisport auch in der hiesigen Region einen gewaltigen Aufschwung nahm. Diese Skier sind aus Eschenholz gefertigt und haben eine Länge von 205 cm. In der Mitte der Lauffläche befand sich eine Führungsrille. An der Lauffläche befinden sich keine Stahlkanten, die Ski sind demnach mehr für den Langlauf gedacht. Markenski gab es zu dieser Zeit noch nicht. Hergestellt wurden Skier zum überwiegenden Teil im Erzgebirge und im Vogtland. In unserer Region waren Ende der 1940er / Anfang der 1950er Jahre die Skier durchweg alle von gleicher Bauart. Es gab keine speziellen Ski wie es sie heute gibt, z. B. Alpenski, Tourenski, Langlaufski, Sprungski usw.


„Hightech“-Skibindungen der 50er Jahre

Sehr einfach waren nach unserem heutigen Verständnis die Skibindungen, welche für eine korrekte Kraftübertragung vom Fuß auf den Ski sorgen sollten. Das vorgestellte Skipaar hat eine Kandahar-Bindung. Typisch für diese Bindung war die lockere Verbindung einer Feder mit der Ferse. Der Skischuh wurde zwischen zwei verstellbaren metallenen Skibacken eingesetzt, die auf einer Metallplatte auf dem Ski angeschraubt waren. Ein lederner Zehenriemen hielt den Vorderfuß fest. Ein Drahtseilzug mit einer metallenen Spannfeder führte zunächst durch zwei seitlich angebrachte Klemmen, wurde dann um den Schuhabsatz gelegt und dieser mittels zweier kippbarer Spanner festgezurrt. Durch Herauslösen des Seilzuges aus den Klemmen wurde der Skischuh für den Langlauf beweglicher. Als Skischuh wurden in den ersten Nachkriegsjahren allgemein durchweg kräftige, hohe geschnürte Straßenschuhe verwendet. Bei diesen Skiern, die ganz aus Holz hergestellt waren, musste auch auf eine entsprechende Federung geachtet werden. Die beiden Ski wurden dazu mit der Laufseite gegeneinander gelegt und mittig ein Vierkant-Holzklotz von 3 bis 6 cm angebracht. Zwei Holzklammern spannte man mit Flügelschrauben vorn und hinten um das Skipaar und brachte sie somit auf Spannung. Zur Erhaltung der Spitzenaufbiegung wurde dann eine Holzgabel an den nun gegenüber liegenden Skispitzen eingesetzt, die mit der Durchführung eines langen Nagels an den vorne angebrachten Löchern fixiert wurden.

Zu sehen sind diese Ski, die sicher manche der heutigen Senioren noch kennen bzw. selbst gefahren haben, im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 7. Februar 2016, von 14 -17 Uhr.
An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt im Alten Amtshaus ist frei.

Text: Walter Stupperich

Foto: Museum der Stadt Lennestadt