Juli 2016

Sommer, Sonne, Fahrspaß. Kaum etwas bringt ein größeres Freiheitsgefühl als eine traumhafte Tour ins Grüne. Egal ob schwere Maschine oder Leichtkrad, Quad oder Moped: auf einem „Feuerstuhl“ durch die Gegend zu fahren war schon immer für Jung und Alt eine Freude. Das Museum der Stadt Lennestadt stellt daher im Sommermonat Juli ein Exponat vor, das den Beginn der Massenmotorisierung wie kaum ein anderes Gefährt deutlich markiert: ein Moped, und zwar das Moped „NSU Quickly“.
Die NSU Quickly wurde in den 1950er Jahren für viele Leute, die bislang nur Fahrrad fuhren, der Inbegriff des technischen und wirtschaftlichen Fortschritts der Nachkriegszeit. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein großer Bedarf an Fahrzeugen des Individualverkehrs. In größerem Umfang wurden zunächst Fahrräder produziert. Da ein Motorrad oder gar ein PKW zu dieser Zeit fast unerschwinglich war, wurden zunächst Motorfahrräder und Einbaumotoren der Vorkriegszeit hergestellt. 1953 traten neue gesetzliche Vorschriften in Kraft, und es fand eine Klasseneinteilung statt: die niedrigste waren Fahrräder mit Hilfsmotor, deren Hubraum maximal 50 ccm betragen durfte und dessen Gewicht auf 30 kg + 10 % Toleranz beschränkt war. Die Höchstgeschwindigkeit wurde für diese Klasse auf 40 km/h festgelegt. Die Fahrzeuge waren steuer-, führerschein- und zulassungsfrei, es genügte eine einfache Haftpflichtversicherung.
Die NSU-Motorenwerke AG Neckarsulm erkannten das große Potential dieser preiswert zu produzierenden Zweiräder und stellten bei der Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung (IFMA) 1953 das „Moped“ Quickly vor. Die Bezeichnung „Moped“ ging auf einen Namensvorschlag der Motorenfabrik ILO zurück, der im Rahmen eines Wettbewerbs gefunden wurde. Die Bezeichnung „Moped“ ist ein Silbenwort und setzt sich aus „Motor“ und „Pedale“ zusammen, welche die Hauptmerkmale dieses neuen Fahrzeuges waren.

 

2016-07 NSU Quickly (3) ©Museum der Stadt Lennetadt
Die Quickly war auf Anhieb ein großer Erfolg, und schon 1954 hatte NSU die 100.000ste Quickly produziert. Bis zu 1000 Quicklys pro Tag rollten damals vom Fließband. In Deutschland und Großbritannien war die Quickly das meistverkaufte Moped. In den Jahren 1954 und 1955 war NSU auch der größte Motorradproduzent der Welt mit einer Jahresproduktion von rund 300.000 Motorrädern. Durch markante Werbesprüche von NSU wie „Wohl dem, der eine Quickly hat!“ oder „Nicht mehr laufen, Quickly kaufen!“ sollte die Sympathie für das kleine Zweirad geweckt werden.
Die vom Museum der Stadt Lennestadt präsentierte NSU Quickly, eine Leihgabe des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück, stammt aus dem Baujahr 1955. Sie wird angetrieben von einem 1-Zylinder-Zweitakt-Motor mit 1,4 PS und 49 ccm. Auf dem Typenschild ist ferner angegeben: Typ 51 2T, Prüfzeichen 1149 und Motor-Nr. 622857. Die Quickly, ausgestattet mit einem 2-Gang-Getriebe, erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 40 km/h bei einem Verbrauch von weniger als zwei Litern Benzin/Öl-Gemisch auf 100 km. Der Tank fasste 3,1 Liter. Die vorgestellte Quickly besitzt noch die originale Farbgebung und zwar jadegrün mit blassgrün abgesetztem Tank. Allerdings weist dieses Moped deutliche Gebrauchsspuren auf.
Im Jahr 1955 kostete die Quickly, die ab 1955 den Zusatz „N“ (für „Normal“) erhielt, 465,- DM. Der Brutto-Monatslohn eines Industriearbeiters betrug zu dieser Zeit ca. 380,- DM. Verkauft wurde dieses Moped gemäß aufgebrachter Plakette von der Firma Heistermann & Freitag, Motor- und Fahrradhaus, Augustdorf i.L.
Um den Bedürfnissen der Zeit gerecht zu werden, versuchte NSU mit technisch wesentlich verbesserten Modellen, wie z.B. der Quickly S, der Quickly S 23 und der Quickly F, neue Kunden zu gewinnen. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Während die älteren Quickly-Fahrer zunehmend auf ein Auto umstiegen, entschieden sich die jüngeren Käufer immer öfter für ein weniger altbacken wirkendes Mokick oder Kleinkraftrad von Kreidler, Hercules oder Zündapp. Dadurch verlor NSU mit der Quickly im 50-ccm-Markt immer mehr den Anschluss. Auch die 1966 neu entwickelte Quick 50 mit 4,3 PS hatte keine Chance, sich am Markt durchzusetzen. Gegen Ende der 1960er Jahre wurde die letzte Quickly gebaut.
Zu sehen ist die NSU-Quickly, das „Volksmoped“ der 1950er Jahre, im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 03. Juli 2016, von 14 -17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -18 Uhr geöffnet. Der Eintritt im Alten Amtshaus ist frei.

Text: Walter Stupperich

Foto: Museum der Stadt Lennestadt