Januar 2009

Eine 180 Jahre alte Haspel aus Pflaumenbaumholz

Als „Exponat des Monats Januar“ stellt das Museum der Stadt Lennestadt eine Haspel vor. Die Auswahl traf auf eine Haspel, um den „Tag der Frauen“, den das Museum jedes Jahr an einem Sonntag im Januar veranstaltet, gebührend in den Vordergrund zu stellen. Dieser Sonntag steht unter dem Thema „Spinnen, Weben, Sticken und Stricken“. Frauen aus Lennestadt und Finnentrop geben Einblicke in alte und neue Handarbeitstechniken. Sie zeigen, wie aus dem Ausgangsmaterial Schafwolle, Fäden gesponnen und weiterverarbeitet werden. Spinnräder, Haspeln und Webstühle sind in Betrieb, und die Kunst des Stickens und Strickens wird gezeigt.

 

Im Januar des Vorjahres stellte das Museum ein Spinnrad vor. Der nächste Arbeitsgang nach dem Spinnen ist das Haspeln des gesponnenen Garnes. Dieser Vorgang ist aus mehreren Gründen notwendig: Zum einen konnte das Garn nicht auf der Spinnradspule bleiben, die ja weiter benutzt werden musste. Zum anderen konnte es auf der Spule nicht gereinigt werden. Und zum dritten musste das Garn für den Verkauf eine messbare Länge haben, was auf der Spule nicht möglich ist.

 

Die jetzt vorgestellte Haspel ist ein ganz besonders wertvolles Stück. Sie stammt aus der Zeit um 1830, aus der Biedermeierzeit. Hergestellt ist sie aus Pflaumenbaumholz. Sicher hat diese Haspel früher in einem begüterten Hause gestanden, da sie mit reichem Zierrat versehen ist. Neben gedrechselten Aufsätzen weist sie zahlreiche Zier-Knöpfchen, -hänger und –stecker, gefertigt aus gedrechseltem Bein, auf. Am Fuße dieser Haspel sind die Initialen „C B“ angebracht, deren Herkunft im Dunkeln bleibt. Die Haspel selbst ist eine der seltenen Uhrhaspeln, die kombiniert ist mit einem Klopfer. Uhr und Klopfer werden betätigt durch vier geschnitzte Holz-Zahnräder, die auf das Drehen der Haspel reagieren.

 

Die Arme dieser Haspel besitzen eine Spannweite von ca.80 cm, der Umfang beträgt ca. 2,50 Meter. An einem der Haspelarme wird der Faden von der Spule des Spinnrades befestigt. Nach 60-maligem Umdrehen der Haspel ist ein „Bind“ voll. Dieses entspricht nach heutigen Maßen ca. 150 Meter. Dabei darf man sich nicht „verhaspeln“. Nun wird die aufgehaspelte Lage an zwei Enden zusammengebunden und man haspelt so von Bind zu Bind weiter, bis ein „Stück“ voll ist. Ein „Stück“ sind 20 Bind. Nach Abbinden des gesamten „Stücks“ wird alles von der Haspel heruntergenommen und weggelegt, und man fängt von vorne an.

 

An der vorgestellten Haspel befindet sich ein Klopfer. Dieser gibt ein Klopfgeräusch von sich, wenn ein Bind erreicht ist. Die bei dieser Haspel zusätzlich vorhandene Uhr mit den Ziffern von I bis X gibt an, wieviel Binde erreicht sind bzw. wann ein „Stück“ voll ist. – Gesagt werden muss noch, dass sowohl die Größe der Haspeln als auch die Maße „Stück“ und „Bind“ je nach örtlicher Gegend unterschiedlich sein können.

 

Die als „Exponat des Monats Januar“ ausgewählte Haspel ist eine Leihgabe von Frau Brigitte Grewe-Kaiser aus Elspe. Ihren Angaben nach hat ihr Vater, Franz Kaiser, diese Haspel auf einer seiner zahlreichen Reisen ins Hochsauerland mit nach Elspe gebracht. Der Ehemann der Leihgeberin, Herr Gerd Grewe, hat die Haspel leicht repariert. Die ganz in Handarbeit hergestellte Haspel ist somit voll funktionstüchtig. Frau Marlies Nöker aus Elspe hat einen Bind Garn aufgehaspelt und das Ganze liebevoll drapiert.

 

Zu sehen ist dieses außergewöhnliche Unikat erstmals am Sonntag, dem 04. Januar 2009 im Museum der Stadt Lennestadt. Am „Tag der Frauen“ dem 11. Januar, steht die Haspel natürlich im Mittelpunkt des Geschehens.

 

Geöffnet ist das Museum an den genannten Sonntagen von 14 – 17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 u. 14 -18 Uhr geöffnet. – Der Eintritt ist frei.