August 2013

Ein „Harmophon“ aus den 50er Jahren

 

Ein „Harmophon“, ein seltenes Musikinstrument der 50er Jahre, wird im August als Exponat des Monats“ im Museum der Stadt Lennestadt vorgestellt. Das Instrument stellt gleichsam ein Bindeglied dar zwischen den mechanisch betriebenen Tasteninstrumenten und den modernen Keyboards, deren Tonerzeugung elektronisch erfolgt. Wir könnten es auch als „elektrisches Harmonium“ bezeichnen.

Das „Harmophon“ ist ein Zungeninstrument. Schmale Metallzungen – meist aus Messing – werden durch einen Luftstrom in Schwingungen versetzt. Sie erzeugen Töne im menschlichen Hörbereich. Manche Zungeninstrumente wie Mundharmonika und Akkordeon sind seit Jahrzehnten beliebte und volkstümliche Musikinstrumente. Sie begleiten die Lieder der Wandergruppen und verschönern Familienfeste.

Das „Harmophon“ wurde vor etwa 60 Jahren von der Nauheimer Firma „Köstler und Co.“ entwickelt, die sich seit 1946 in Westdeutschland angesiedelt hatte und Musikinstrumente, vor allem für den Export, herstellte. Die Ursprünge des Betriebes gehen zurück in das Jahr 1891. Damals gründete ein Johann Köstler in Graslitz bei Karlsbad im Westen der tschechischen Republik – gar nicht weit weg von der deutschen Nachbarstadt Klingenthal im Vogtland – ein Unternehmen, das vor allem Mundharmonikas herstellte. 1946 musste sein Nachfolger Josef Köstler mit der Familie und dem Betrieb das Sudetenland verlassen. In der „Musikgemeinde“ Nauheim fand man eine neue Heimat. Infolge der zunehmenden Billigimporte musste die Firma 1973 die Produktion von Musikinstrumenten einstellen.

Der solide tragbare Holzkasten des „Harmophons“ ist aus geformtem Sperrholz gefertigt und hat die Maße 67cm (B) x 16,5 cm (H) x 35 cm (T). Er ist außen mit geriffeltem Kunststoff überzogen und daher leicht zu pflegen und zu reinigen. Den abnehmbaren Deckel hat man innen mit dünnem grünem Filz ausgekleidet. Im unteren Gehäuseteil befindet sich eine Tastatur mit 49 Tasten, deren Breite und Anschlag üblichen Akkordeontasten entsprechen. Unter einer formschönen grünen Kunststoffabdeckung mit Schallaustrittsöffnungen befinden sich zwei Stimmzungenblöcke.

Bei den üblichen Zungeninstrumenten Mundharmonika, Akkordeon oder Melodica muss der Musikant die nötige Luft selbst erzeugen. Beim „Harmophon“ hingegen braucht man sich darum nicht zu kümmern: die Luft wird hier durch einen flachen Gebläsemotor erzeugt. Bedient man den Einschaltknopf des Instrumentes, dann ist anfangs das Geräusch dieses Motors nicht zu überhören. Nach einigen Sekunden ist die Windkammer mit Luft gefüllt und das Gerät spielbereit. Über den Windlauf werden die zwei Stimmzungenblöcke mit Luft versorgt.

Das Instrument hat nur eine Klangfarbe, es ist also „einchörig“. Man kann – im Unterschied zum Akkordeon – beide Hände auf vier Oktaven (F‘ bis f‘‘) zum Musizieren benutzen. Mit einem Schieberegler lässt sich über die Motorgeschwindigkeit des Gebläses auch die Lautstärke in gewissen Grenzen verändern. – Das komplette Instrument hat ein Gewicht von 6,5 Kilogramm und kann daher auch von Kindern leicht transportiert werden. Um die Mitte der Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts wurde es gern im musikpädagogischen Bereich eingesetzt.

Der Leihgeber F.-J. Schütte hat sich um 1955 als Schüler von seinem spärlichen Taschengeld das „Harmophon“ beim Versandhaus Quelle bestellt. Später konnte er es als Lehrer im Musikunterricht einer Volksschule gelegentlich einsetzen.

(Text: Franz-Josef Schütte;  Fotos: Museum der Stadt Lennestadt)

 

Zu sehen ist dieses seltene Musikinstrument im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, dem 4. August 2013, von 14 bis 17 Uhr.
An Werktagen ist das Museum dienstags von 9-12 und 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 9-12 und 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Zu sehen ist an diesen Tagen auch noch die Sonderausstellung „Kapellen im Sauerland“.
Der Eintritt ist frei.